Tulpen, Torte und eine leise Melodie

Liebe Ur...Großmutter,

 

es ist, als würde sich durch deine Worte ein Boden unter meinen Füßen bilden, den ich vorher noch nie gespürt habe. Danke für deine Nachricht.

 

Ich könnte dir erzählen, wo und wie ich durchs Leben geschwommen bin und nach etwas suchte,  woran ich mich festhalten konnte. Du aber fragtest nach etwas Positivem und deshalb beginne ich dort.

 

Ich wuchs am Rande einer großen Stadt auf und ging durch ein Gäßchen zur Schule, die ganz in der Nähe lag. Nachmittags trafen wir Nachbarskinder uns an der Ecke und spielten Fangen. Später stibitzen wir dort Küsschen von den Jungs. Noch davor, zu Kindergartenzeiten, spielte ich unermüdlich "Pferdchen" mit meiner besten Freundin.

 

Zwei ältere Nachbarinnen hatten einen Garten, der hinter dem Haus lag, in dem wir ein Wohnung gemietet hatten. Meine Mutter half ihnen im Haus und Garten und so durften wir dort spielen. Es gab einen kleinen Schuppen, der bald zu unserem "Pferdestall" und Geheimquartier wurde.

 

In diesem Garten richtete meine Mutter wunderschöne Kinder-Geburtstage für mich aus, wenn das September-Wetter es erlaubte. Es gab meine Lieblingstorte, die von Tante Finni gebacken wurde. Wie in einer eigenen Welt verbrachte ich dort viele schöne Stunden meiner Kindheit. Als ich älter wurde, spielte ich dort Barbie und Ken "im Dschungel"..

 

Bis ich auszog, begleitete mich dieser Garten. Meine Eltern konnten das Grundstück nach dem Tod der beiden alten Frauen kaufen. Meine Mutter hatte eine der alten Damen bis zu ihrem Tod gepflegt und so hatten wir das "Erstkaufrecht"  für dieses schöne Fleckchen Erde.

In all den Jahren, die zu zwei Jahrzehnten wurden, erinnere ich einen Moment im Garten am Innigsten. Wahrscheinlich war ich so um die Fünf Jahre alt. Ich hatte ein paar Wochen in einem Krankenhaus verbracht, weil ich mehrmals am Ohr operiert wurde. Nun erschien mir der Frühlingsgarten mit seinen Tulpen erst recht wie ein Paradies.. Ich hatte im Radio oder im Fernsehen eine Melodie aufgeschnappt, die aus einer Wiener Operette stammte. Ich fragte meine Eltern, ob ich Schaukeln gehen könne und lief spätnachmittags in den Garten, wo die Schaukel an einer alten Teppich-Klopf-Stange hing.

 

Ob es von der Melodie kam, dem Frühlingsduft oder die Dämmerung des Abends- für mich lag irgendetwas in der Luft. Es war, als ob in diesem Moment meine ganze Seele Platz zum Atmen hatte. Ich fühlte, dass ich Eins mit Allem war und in diesem Glück meldete sich so etwas wie eine Stimme aus der Ferne: "Woanders warte ich auf dich." Ich hörte es aus ganzer Seele. Bis heute habe ich keinen Zweifel, was diese Nachricht, anging, die ich dort erhielt.  Es war für mich nicht wichtig, wer das war. Nur, dass es so war: Woanders wartete jemand auf mich. Das machte mir die Welt zum Freund. Ich spürte, dass ich dieser Seele später einmal begegnen würde. .

 


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Katja Odenthal

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