Wäre Deutschland ein Klassenzimmer..

Heute bin ich aus den Kinderschuhen raus, schon mehrere Jahrzehnte und doch erlebe ich wieder mein Bravsein. Mir ist unverständlich, was mit dem Glück und der Freiheit der Menschen passiert. Viele mir nahestehende Menschen versuchen, auf eine argumentative Weise Recht zu haben in einer Frage, wo es sehr um die Individuelle Einschätzung geht.

Ich kenne das aus der Schule. Es wird ein richtiges Ergebnis für eine Arbeit festgelegt und andere Lösungswege werden damit ausgeschlossen.Sonst wird es zu kompliziert und nicht mehr abfragbar. Ähnlich wie ein Computer alles Wissen am Ende auf Einsen und Nullen reduziert, um es funktionstüchtig und kontrollierbar zu machen.

 

Im Wesentlichen ist das der Grund, warum ich aufgehört habe, Lehrerin  im Staatsdienst zu sein. Ich hatte das Gefühl, ich beschneide mit den Lehrmethoden den Geist meiner Schüler und Schülerinnen. Ich bringe Ihnen stattdessen bei, herauszufinden, was ICH von ihnen hören will, damit sie eine gute Note bekommen. Dabei war immer die wichtige Frage: Welchen Ausschnitt aus der sehr komplizierten Lage bekommen die Kinder und Jugendlichen in meinem Unterricht?. Wie nutze ich meine Informationshoheit und wieviel Widerspruch und Diskussion lasse ich zu? Welche Kinder sind klüger als ich und bringen etwas ein, was ich nicht vorbereitet habe. Gute Lehrer schaffen es, diese Freiheit immer wieder zu zulassen. Trotz der vorgegebenen Struktur.

 

Für mich ist Deutschland momentan ein großes Online-Klassenzimmer. Und die entscheidende Frage ist die nach der Informationshoheit

Wenn ich eine Ethik-Stunde zum Thema Epidemie ausgerichtet hätte, wäre mein grundsätzliches Oberthema: GESUNDHEIT gewesen. Wie bleibe ich körperlich und seelisch gesund? Da gibt es tausend Antworten. Bei mir wäre der Aufbau des Immunsystems und auch die Auswirkungen von Stress und Angst auf unseren Körper und Geist sicher ein Unterthema gewesen. Wie sehr der Mensch ein soziales Wesen ist und Isolation oder Stigmatisierung ihn schwächt. Und im Rückgriff auf die  Kunst: Gemälde und Musik, in der die Sterblichkeit und die Eitelkeit des Menschen Thema sind.  Und die Frage: Was ist Fortschritt? Endet er mit dem Tod?

 

Dann wäre eine Einheit zu unserem Gesundheitssystem gekommen, dass sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Profit orientiert und an "unrentablen"  Stellen spart, wo es kann. In diesem Zusammenhang hätte ich auch Mechanismen der Pharma-Industrie recherchieren lassen. Vielleicht eröffnet vom Bayer-Chef, der im Oktober21 auf der WHO-Weltgesundheitsgipfel freudig sein Erstaunen äußerte, wie sehr die Pandemie die Deutschen für gentechnisch generierte Medikamente geöffnet habe. Der Untertitel des Weltgesundheitsgipfels, der in Berlin stattfand, lautete übrigens Health-Capital.

Nächste Einheit wäre die Bedeutung von Medienvielfalt und die Möglichkeiten der Manipulation durch Bilder gewesen. Und das kritische Lesen von Statistiken.

 

Was im digitalen Klassenzimmer Deutschland, in der Medienlandschaft in den letzten zwei Jahren passiert, wäre in meinem Klassenzimmer eine Katastrophe gewesen. Eine Bankrotterklärung der Bildung. Nun käme der Ehrgeiz ins Spiel. Was will ich für ein Ergebnis? Und inzwischen weiß ich, dass es auf der argumentativen Ebene keins gibt. Es gibt nur die innere Reifung, etwas völlig Anderes, mir Unverständliches als Teil dieser Welt anzunehmen. Aus ganzem Herzen.